31.10.2014

Ausbildungsplätze für Jugendliche Simbabwe

Ausbildungsplätze für Jugendliche Simbabwe

Rundbrief aus Kafue in Zambia

Die "Brüderstiftung Peter Friedhofen Schweiz" unterstützt seit 2012 das "Chikupi Vocational Training Center" in Kaufue in Sambia. An diesen Zentrum werden Jugendliche als Metallarbeiter, in der Landwirtschaft oder in der Schneiderei ausgebildet. Das Ehepaar Anna und Ueli Schäli berichten regelmäßig von ihrer Arbeit: 

Während Ihr schöne Spätherbsttage geniesst, ist bei uns in Chikupi die heisseste Jahreszeit. Das Thermometer zeigt heute 40 Grad bei rund 40% Luftfeuchtigkeit. Eine kalte Dusche und ein „Sundowner“ aus dem Kühlschrank sind momentan das Höchste aller Gefühle. Doch schon bald naht wieder die Regenzeit.

„Zambia The real Africa“

„Zambia The real Africa“

So begrüsst der Tourismusverband die Gäste auf Plakaten. Der Werbespruch enthält viel Wahrheit. Sambia bietet afrikanische Schönheit, z.B. riesige Savannen, grosse Flüsse und Flusstäler, Wasserfälle (Victoriafall der Bekannteste). Dann natürlich die Wildtiere, wie die „Big Five“ (Elefant, Löwe, Leopard, Nashorn und Büffel; diese fünf Arten seien am schwierigsten zu jagen) und einzigartige Vögel. Außerdem bestaunen wir die interessante Pflanzenwelt mit Jakaranda, Protea, Affenbrotund Flammen, Mangound Guavabäumen, mit ihrer Überfülle an Blüten.  

Nicht vergessen darf man die vielen Ressourcen im Bergbau (Kupfer, Kobalt, Zink, Selen, Gold, Coltan (Tantal als Stromspeicher im Handy), Silber, Uran, Mineralien). Hell strahlende Sonne, schöne Sonnenaufund Untergänge, sowie offene und gastfreundliche Menschen mit reichen Traditionen verzaubern uns auch immer wieder. 

Sambia bietet aber auch weniger Schönes: Elend, Armut, Hunger, Dürren, Staub und Überschwemmungen, Krankheiten (Malaria, Durchfall, 17% HIV Positive), zu kurze Lebensdauer, Korruption, Ausbeutung, ungenügende Infrastrukturen (Gesundheitsversorgung, Strassen, Strom und Wasserversorgung, Abfallbewirtschaftung und Abwasserreinigung), hohe Arbeitslosigkeit, tiefe Qualität der Ausbildung, zu wenig einheimische Verarbeitungsindustrie und Einkaufszentren, Abholzung und Ziegen, welche auch noch die letzten kleinen Bäumchen fressen (Versteppung) und die „Ugly Five“ (Hyäne, Gnu, Warzenschwein, Geier und Marabu), obwohl diese für uns nicht hässlich aussehen.7

Es ist unglaublich, dass Sambia trotz seines Reichtums an Land, Naturschönheiten, Bodenschätzen und Wasser noch das ärmste Land der Welt sei gemäß UNO (Human Development Report: 87,2 % der Bevölkerung leben von weniger als 2 US$ pro Tag, bei 45% fehlen sanitäre Einrichtungen, 42% leben ohne saubere Wasserversorgung und die Lebenserwartung liegt bei 40,5 Jahren). Das hat verschiedene Ursachen, wie zu wenig einheimische Firmen, die die Rohstoffe fördern und verarbeiten können, internationale Handelsbedingungen und Korruption, wobei dazu immer zwei gehören – ein Nehmer und ein Geber. Die Schweiz mischt bei den internationalen Handelsbedingungen ganz gross mit, wie der Film „Armut für Sambia Reichtum für die Schweiz“ von ARTE im letzten Jahr aufzeigte.

Die Natur in Sambia ist Reich an Trier- und Pflanzenarten.

Was lange wärt, wird endlich gut, ein Sprichwort das viel Geduld beinhaltet

Juhui, wir haben den Brief! Im letzten Rundbrief haben wir euch über die schwierigen und langwierigen Verhandlungen mit der Royal Highness  Chieftainess Nkomeshya Mukamambo II, berichtet. Es brauchte zwischen April und September nochmals drei Fahrten zu ihrem „Palace“ zusammen mit den traditionellen „Leadern“ betreffend der Eigentümerpapiere für das Grundstück, wo Schule und Farm darauf stehen. 

Am 24. September war es soweit. Zusammen mit den Vorgesetzten der Erzdiözese Lusaka holte Ueli dieses wichtige Dokument ab. Es lag schon bereit. Eine Sache von schlussendlich fünf Minuten rundete die vielen Fahrten, tägigen Wartezeiten, Diskussionen, Protokolle, verlangten Briefe und Pläne ab. Da diese Übergabe so schnell erledigt war, hatte das Trio mehr Zeit zum anschließenden „Anstoßen.“ 

Nun sind alle nötigen Briefe und Dokumente zusammen und das ganze Geschäft liegt zuoberst auf der Beige des Gemeindepräsidenten von Kafue…. Und mit dem oben erwähnten Schreiben konnten wir bei TEVETA (Erziehungsdepartement) vorstellig werden und erste Schritte zur staatlichen Registrierung der Schule einleiten.

Die Urkundezoom

Eigentlich wollten wir diesen Teilsieg zusammen mit den Mitarbeitenden am 24. Oktober 2014, am 50. Unabhängigkeitstag von Sambia, feiern. Wir wollten nicht nur die Übertragung des Grundstückes zelebrieren, sondern auch die gute Arbeit des Farmteams und des Lehrerteams. Seit Juni 2014 sieht das Chikupi Vocational Training Centre grünes Licht bei der finanziellen Selbstständigkeit; die Monatsabrechnungen von Juni bis September schlossen erstmals positiv ab. Seit Mai konnten wir jeden Monat zwischen 60 und 80 Mastschweine in die Metzgerei liefern. Da die Qualität des Fleisches ausgezeichnet ist, bekamen wir 1,50 Kwacha mehr pro Kilo. 

Zusätzlich kann die Farm in kleineren Mengen auch Fische liefern und alle sieben Wochen 250 Mastgüggeli. Auch der Ertrag vom Gemüsefeld nimmt stetig zu, dank der Tröpfchenbewässerung. Aber das finanziell tragende Standbein war die Schweinehaltung. Auch die Mortalität war mit 9,6% sehr tief. Es gibt sicher noch viel zu optimieren und zu überdenken, aber die Basis war gelegt.

Wie die Schweinepest zwei Jahre Aufbauarbeit gefährdet hat

Am 10. September starb ein Mutterschwein nach dem Ferkeln. Das kann passieren. Doch tags darauf wieder eine. Sofort telefonierten wir dem Tierarzt. Da es Freitagabend war, haben wir nach langem Suchen die Telefonnummer des diensttuenden Arztes gefunden. Er tat uns kund, dass er auf dem Weg zu einer Beerdigung sei und nicht vor Montag zurückkomme. 

Am Montag holten wir den Tierarzt im 25 Kilometer entfernten Kafue ab, da sein Geschäftsauto nicht verfügbar war. Für die Blutabnahme und Gewebeproben hatte er keine Laborgläschen bei sich. Das hiess im Klartext: Nochmals nach Kafue fahren und Laborgläschen suchen. Schlussendlich konnten wir am Dienstagvormittag, nach dem bereits sechs Mutterschweine tot waren, Blut und Gewebeproben ins Labor bringen. 

Zwei Tage später der erlösende Bericht: Es ist nicht die Afrikanische Schweinepest. Wir spritzten die nötigen Medikamente gegen Lungenentzündung, da die Schweine Mühe mit dem Atmen hatten und gaben ihnen Stärkungsmittel. Alles nützte nichts. Wieder kamen Tierärzte auf den Betrieb, diesmal drei an der Zahl. Sie nahmen weitere Proben. 

Nach einer Woche war klar, dass es ein Virus sei. Wir separierten alle kranken Schweine und desinfizierten die Schweineställe. Am 27. September brachte das Veterinäramt den schriftlichen Bescheid, dass unsere Schweine an der Afrikanischen Schweinepest erkrankt seien und wir nicht mehr verkaufen und keine Schweine oder Schweinefleisch mehr transportieren dürfen. Das war ein Tiefschlag. Fast zwei Jahre Aufbauarbeit ist damit vernichtet und das finanziell tragende Standbein weg.

Die Verbrennung der Schweine war ein schwerer Rückschlag für die Selbstständigkeit des Zentrum in Kafue.

Am 4. Oktober kam ein Heer von zwölf Leuten vom Veterinäramt und brachten den Schussapparat, um die von den 500 Schweinen (samt Ferkeln) verbliebenen 165 noch zu schlachten, zu wägen und zu verbrennen. Das heisst, sie brachten nur den Schussapparat und die Schüsse, alles andere musste das Chikupi Team organisieren und ausführen. 

Es stimmte uns sehr nachdenklich, wie die amtlichen Stellen hilflos und mit sehr begrenzten Mitteln beim Ausbruch einer höchst ansteckenden Krankheit reagieren. Es existiert in der Theorie ein sehr guter Ablaufplan, den sie uns vorgestellt haben. Es kämen innert 24 Stunden nach Ausbruch dieser höchst ansteckenden Krankheit Spezialisten, welche alles erledigen. Diese brächten auch Brennholz, einen Bagger und die Waage mit. Für alle toten Schweine würden wir mit K13.50 (ca. 2 Fr.) pro Kilo vergütet. Die Schweineställe würden sofort von den Spezialisten gereinigt und desinfiziert. 

Nach drei Wochen des Wartens seit Ausbruch der Krankheit, hatte das Veterinäramt noch keine Schüsse, anschliessend keine Transportmöglichkeit und kein Geld, um das notwendige Material zu kaufen. Wir mussten einige Male leer schlucken und haben uns Gedanken gemacht, wie das bei einer Epidemie funktionieren würde, die Menschen beträfe…

Die andere Seite der Schweinepest: Der Hunger bei den Menschen im Dorf

Eine andere für uns sehr schwierige Situation war, dass die Mitarbeitenden und alle im Dorf wussten, dass das Fleisch für Menschen nicht gefährlich ist und gegessen werden könnte. Unzählige kamen und fragten nach Fleisch. Sie hätten Hunger und alle anderen machten dies ja auch so; wenn die Krankheit ausgebrochen sei, verkauften sie das Fleisch günstig. Das Team war instruiert, nichts zu verkaufen und alles zu verbrennen. Ueli hat ihnen den Weg der Übertragung des Virus erklärt, dass unbedingt alles verbrannt werden müsse, damit das Virus nicht durch die Küchenabfälle weiter getragen werde, die wiederum an Schweine verfüttert würden. 

Aber was sollen diese Erklärungen, wenn man hungrig ist? Wir haben jetzt eine Quarantäne von 40 Tagen und dann sehen wir weiter. Einige Schweineställe haben wir zu Hühnerställen umfunktioniert und rattensicher gemacht, um die bestehende Güggelimast zu erweitern. Einmal mehr hat uns die Handhabung dieser schwierigen Situation aufgezeigt, mit welchen Einschränkungen hier in Sambia gelebt werden muss. Diese Defizite findet man überall, sei es im Gesundheitswesen, Bauoder Bildungswesen. 

Man könnte praktisch jedes Departement aufzählen. Es sind sehr gute Abläufe und theoretische Handhabungen vorhanden, aber diese praktisch umzusetzen, scheitern an unzähligen Hindernissen (Geld, Budget schon verbraucht, fehlendes und ungenügend ausgebildetes Personal, zuständige Person nicht erreichbar, kein Benzin im Auto usw., einzig der Zeitdruck ist kein Thema). Das sind interkulturelle Herausforderungen, wo wir auf das Äusserste gefordert sind.

Trotzdem feierten wir

Trotz Hürden auf dem Weg zur Eigenständigkeit, ließen wir uns nicht das Feiern nehmen.

Am 23. Oktober feierten wir zusammen mit allen BerufsschülerInnen und allen Mitarbeitenden den 50. Unabhängigkeitstag von Sambia. Um 11.00 Uhr begann die Feier mit einem Fussballund Volleyballmatch. Die Mitarbeiter unterlagen den Schülern mit null zu eins. 

Das feine Mittagessen (mit Hühnerfleisch) mundete allen. Anschließend begann der „bunte Nachmittag“. Lageratmosphäre pur! Allerdings sind die schauspielerischen Fähigkeiten der SambierInnen um einiges besser, als die der LagersketchsSpielerInnen in der Schweiz. Mit Reflektionen, fröhlichen und nachdenklichen Sketchs, Gesang, Tanz, Wettspielen und einem Glas „Mukoyo“ (Vorstufe des Maisbiers) wurde das Ganze abgerundet. 

Es war eine frohe und heitere Stimmung. Obwohl wir in Chikupi eigentlich im Moment nicht so viel zu lachen haben, feierten wir ausgiebig. Das stärkt und gibt Zusammenhalt. Nur wenn wir alle Kräfte bündeln, kommen wir vielleicht aus dieser Misere heraus. So hoffen wir wenigstens.