Von der Kindheit bis zur Ausbildung Peter Friedhofens

Kindheit

Peter Friedhofen wurde als sechstes von sieben Kindern des Peter Friedhofen und der Anna Maria Klug am 25. Februar 1819 in Weitersburg in der Nähe von Vallendar geboren. Seine Eltern ließen ihren Sohn bereits am darauf folgenden Tag in der Pfarrkirche von Vallendar taufen. Im darauffolgenden Jahr starb der Vater und acht Jahre später, am 2. November 1828, die Mutter. Zurück blieben sechs Waisen in einem wahrhaft erbärmlichen Zustand, so dass die Gemeinde für den Unterhalt der Kinder aufkommen musste. Die „gutherzige Frau Bach“ aus dem Dorf kümmerte sich um die drei Jüngsten – Margaretha, Peter und Anna Maria (geb. 20. September 1820).

Schon von Geburt an wurde Peter von dem frommen Geist seiner Familie umfangen, für die seit je her Arbeit und Gebet unauslöschlich zusammen gehörten. Diese Frömmigkeit sollte ihre Spuren nicht nur bei Peter, sondern auch bei dessen Schwester Margaretha (geb. 28. Februar 1815) hinterlassen, welche als Schwester Martha in die von Clara Fey gegründete ‚Kongregation der Schwestern vom armen Kinde Jesus‘ in Aachen trat und in dem Ruf hoher Tugend 1902 in England starb.

Schon als kleiner Junge betete Peter oft in der alten Kapelle von Weitersburg vor dem Bild der Unbefleckt Empfangenen, welche die Schutzherrin von Weitersburg war. Da Peter sich ihr bereits in frühester Jugend weihte, begleitete sie ihn sein ganzes Leben hindurch bis zum Tod.

Den ersten Unterricht erhielt Peter in der Weitersburger Dorfschule und sonntags besuchte er den Pfarrgottesdienst in Vallendar, wo er auch als Messdiener tätig war. Am 29. April 1832 empfing er in Vallendar in der Pfarrkirche der heiligen Marzellinus und Petrus die erste Heilige Kommunion, auf die er durch den Pfarrer Adam Nussbaum vorbereitet worden war. Bereits ein Jahr später, am 10. Mai 1833, wurde er in der Kreuzkirche zu Ehrenbreitstein durch Bischof Joseph von Hommer von Trier gefirmt.

Lehrjahre

Nachdem die Schulzeit hinter Peter lag, begannen für ihn die Lehr- und Arbeitsjahre. Auf seinem Weg nach Ahrweiler, wo er seine Lehre als Schornsteinfeger beginnen sollte, konnte Peter sich als sehr naturverbundener Mensch unzählige Male an der Schönheit der Natur erfreuen. Nach seiner Kindheit im weiten und offenen Rheintal stellte sich das romantische Ahrtal mit seinen wilden Bergen und dem rauschenden Fluss für ihn als ganz neue Umgebung dar.

In Ahrweiler wurde er 1834 von seinem Bruder Jakob (geb. 26. Mai 1812), der dort als Schornsteinfegermeister sein Geld verdiente, und dessen Familie freudig begrüßt. Jakob war ein frommer Mann, las gerne in der Heiligen Schrift und schätzte Gottesfurcht und Glaube hoch. Zudem war er ein fleißiger Handwerker, sodass er seinen jüngeren Bruder Peter gewissenhaft in die Arbeit des Kaminfegers einführen konnte. Von nun an wanderten die beiden einige Jahre zusammen durch die Gegend und gingen ihrer Tätigkeit als Kaminfeger nach. Ihre berufliche Tätigkeit brachte sie mit Menschen aller Klassen und Stände in Verbindung. Sie traten in die Hütten der Ärmsten und in die Häuser der Vornehmen und Reichen und lernten so die soziale Situation vieler Menschen der damaligen Zeit kennen.

Ein für seinen Lebensweg entscheidendes Ereignis fand am 21. Juni 1834 statt, als der fünfzehnjährige Peter zum ersten Mal das Aloisiusfest der Ahrweiler Schuljugend mitfeierte. Nach der Messe und der damit verbundenen Verehrung des heiligen Aloisius durch die Aloisiusknaben ging der Festzug zum Schulplatz, auf dem das für diesen Tag übliche Vogelschießen stattfand. Peter war von dieser Art der Verehrung des Heiligen durch die Jugendlichen geradezu fasziniert. Peter wurde durch dieses prägende Ereignis zu einem großen Aloisiusverehrer.

Gesellenjahre

Drei Jahre später endete seine Lehrzeit bei seinem Bruder Jakob und Peter wurde bestätigt, dass er sich „stets treu, fleißig und sittsam, überhaupt so, wie es jedem braven Lehrling geziemt, betragen hat“. Zwischen 1837 und 1839 lagen Peters Wanderjahre. Diese Tätigkeit wurde ihm von der Ordnung des Handwerks vorgeschrieben, laut derer er neue Fähigkeiten im Beruf erwerben und seinen Blick insgesamt weiten sollte. So kam er unter anderem nach Altenahr und Adenau, nach Cochem und Wittlich, nach Wirges und Montabaur. Aufgrund seiner Eigenschaften, Peter war fleißig, gewissenhaft und treu, sowie bescheiden und folgsam, wurde er von den Meistern gern gesehen sowie auch insgesamt geachtet.

Als fahrender Geselle kam er erneut mit zahlreichen Menschen in Berührung und lernte dabei viel Not und Verlassenheit, vor allem bei den Kranken, kennen. In dieser Zeit begegnete Peter Friedhofen auch dem Gesellenvater Adolf Kolping, welcher ihn, um seinen Rat gefragt, dazu ermunterte, sein Vorhaben, eine Brüdergemeinschaft zu gründen, weiter zu verfolgen.

Durch die „Begleitung“ des heiligen Aloisius wurde Peter alsbald zum Apostel und wo er hinkam, zog er die Jugend an, um von seinem Geheimnis, dem Heiligen, der mit ihm wandere, zu sprechen. Anschließend las er den Jugendlichen aus der Heiligen Schrift vor und gemeinsam beteten sie zum Vater im Himmel, zu Maria und zu Aloisius. Zu diesem Zeitpunkt war in ihm schon der Gedanke gereift, eine Aloisiusbruderschaft als Jugendgemeinschaft zu gründen.

Nach diesen Jahren der Wanderschaft kehrte Peter wieder zu seinem Bruder Jakob nach Ahrweiler zurück, wo er noch zwei Jahre als Geselle bei ihm arbeitete und schließlich seine Meisterprüfung absolvierte. Anschließend wandte er sich nach Vallendar. Trotz Protesten des Meisters von Ehrenbreitstein, der sich gegen die Verkleinerung seines Bezirkes und damit gegen Peters Amtsantritt in Vallendar wehrte, wurde Peter Friedhofen am 1. Juli 1842 als Schornsteinfegermeister und Feuervisitator der Bürgermeisterei Vallendar angestellt.

Der Schornsteinfegermeister und die Aloisiusjugend

Nach acht Jahren, die er fernab seiner Heimat verbracht hatte, kehrte er also nach Vallendar zurück und wohnte in einem kleinen Haus in der Kirchstraße. In der Zwischenzeit war die alte Kirche abgerissen und durch einen neuen großen Bau ersetzt worden. Nach wie vor verband Peter mit Pfarrer Nussbaum, bei dem er die erste Heilige Kommunion empfangen hatte, ein inniges Verhältnis.

Peter erledigte seinen Beruf stets pünktlich und gewissenhaft, weil er ihn als Vertrauensamt ansah. Wie zuvor schon in den Jahren seiner Wanderschaft scharten sich auch nun die Jugendlichen begeistert um Peter, wenn er sonntags auszog, um seine Idee von der Aloisiusjugend voranzutreiben. Ständig wuchs die Zahl der Anhänger des heiligen Aloisius und schließlich erhielt Peter Friedhofen von Pfarrer Nussbaum die Erlaubnis, die Jugendlichen zur ‚Gesellschaft des heiligen Aloisius‘ zusammen zu fassen. Der Grundstein zur Aloisiusbruderschaft war gelegt.

Überschattet wurde dieses freudige Ereignis aber von Peters schwerer Krankheit, einem Lungenleiden, und damit verbundenem Husten. Doch je mehr ihm die Krankheit zusetzte, desto mehr wuchs sein Glauben, in dem er Trost und Hoffnung fand.